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Paradiese
Studienorientierung mit der ZSB • Germanistik
Termin & Ort
03.12.2026 12:00 - 14:00 (Merken)

Das Paradies ist nach christlicher Vorstellung der Garten, den die ersten Menschen bewohnen, bis sie ihn nach der Missachtung von Gottes Gebot verlassen müssen (Gen 2,4–3,24). Seitdem ist es den Menschen verschlossen, sie können aber hoffen, am Ende der Zeiten erneut in einen paradiesischen Ort einzutreten (Offb 21–22,5). Diese raumzeitliche Konstellation bietet dem Erzählen vom Paradies vielfältige Möglichkeiten anzuschließen und die biblischen Vorgaben gelegentlich auch zu verändern. Dass sie in der mittelalterlichen Literatur ausgiebig genutzt werden, ist Gegenstand dieser Vorlesung.
Die Vorlesung wird zunächst die Traditionen vorstellen, die in mittelalterliche Paradiesdarstellungen eingegangen sind – neben den genannten Bibelstellen sind das die antike Tradition des locus amoenus und auch der Paradiesentwurf des Koran –, und sich anschließend der produktiven Rezeption in der erzählenden Literatur des Mittelalters zuwenden. Dabei liegt das Augenmerk auf den Verknüpfungen unterschiedlicher Traditionslinien und auf den Besonderheiten der Darstellung, die sich hieraus ergeben. Erweitert werden die Darstellungen des Paradieses im Mittelalter insbesondere um die Vorstellung eines menschengemachten Paradieses, das häufig als Raum der prachtvollen und kunstreichen Ausgestaltung und des illusionären Scheins markiert und als 'zweites Paradies' (ander paradîs) negativ bewertet wird. In den literarischen Darstellungen ist dieser Typus allerdings nicht immer deutlich von irdischem oder himmlischem Paradies abgegrenzt, so dass sich hybride Formen ergeben, deren Semantik und Wertung nicht eindeutig sind.
Das Augenmerk der Vorlesung wird außerdem den sozialen Implikationen von Paradiesdarstellungen gelten sowie in Schlaglichtern auch der Rezeption über das Mittelalter hinaus.