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Natur/Kultur: Geschichte einer Leitunterscheidung
Studienorientierung mit der ZSB • Medienkulturwissenschaft
Termin & Ort
22.06.2026 14:00 - 16:00 (Merken)

Die Geschichte der Kulturtheorien scheint traditionell kaum einen Ansatz zu verbuchen, der nicht auf der elementaren Unterscheidung von ›Natur‹ und ›Kultur‹ basierte. Zwar haben neuere Forschungen gezeigt, dass der Naturbegriff selbst in hohem Maße historisch ist: Zwischen den antiken Vorstellungen von phýsis und natura, einem vom christlichen Schöpfungsdenken geprägten Naturverständnis, dem auf Regelmäßigkeit und Eigengesetzlichkeiten basierenden mathematisch-mechanischen Naturbegriff um 1700 und der modernen, vitalistischen und quasi-personifizierten Vorstellung der Natur als eigenmächtig handelnder Akteurin gibt es womöglich mehr Differenzen als Übereinstimmungen. All das aber hat vor allem die neuzeitliche kulturtheoretische Deutungstradition nicht davon abgehalten, in der ›Natur‹ bestenfalls eine gleichberechtigte Parallelinstanz, öfter aber das überwundene bzw. zu überwindende gänzlich Andere von ›Kultur‹ zu sehen und sich ihr gegenüber in Folge dessen eigentümlich ambivalent zu positionieren: einerseits figuriert ›Natur‹, wenn sie dieses Andere verkörpern soll, als zu bemeisternde Ausgangsinstanz zwischen ursprünglicher Wildnis und Rohstofflager. Andererseits aber dient sie gleichzeitig stets auch als Legitimations- und Korrekturphantasma für die eigenen kulturellen Vorstellungen.

Ausgehend von neueren theoretischen Ansätzen, die diese Unterscheidung grundsätzlich in Frage gestellt haben, unternimmt die Vorlesung eine Relektüre klassischer kulturtheoretischer Positionen. Im Fokus stehen dabei jeweils die Konsequenzen, aber auch blinden Flecke, die sich aus der abgrenzenden Gegenüberstellung zur Natur für den jeweils vertretenen Kulturbegriff ergeben.
 

Für Gruppenanmeldungen wenden Sie sich bitte per E-Mail vorab an die zuständige Lehrperson: stephan.kammer@germanistik.uni-muenchen.de