Franz Schubert steht für das Kunstlied wie kaum ein anderer, seine Liederzyklen wiederrum stechen aus den über 600 Liedvertonungen in besonderer Weise hervor als Marksteine der Vokalmusik überhaupt. Denn: Liebe – Sehnsucht – Tod: Grundbegriffe der Romantik stehen im Zentrum der Liederzyklen „Die schöne Müllerin“ (D 795), „Winterreise“ (D 911) und des sog. „Schwanengesang“ (D 957). Auch rund 200 Jahre nach der Entstehung haben sie nichts an ihrer Faszination verloren, im Gegenteil erscheinen manche der Stücke an Expressivität fast modern.
Warum ist das so? Wie sind zunächst die Gedichte Wilhelm Müllers, Heinrich Heines und Ludwig Rellstabs einzuschätzen, die der Vertonung zugrunde liegen? Und welche interpretatorischen Entscheidungen trifft dann Franz Schubert in seinen Kompositionen? Welche Elemente konstituieren die Einheit des Liederzyklus? Welche musikalische Dramaturgie sorgt dafür, dass auch heute noch das Publikum in den Bann gezogen wird? Gibt es Gemeinsamkeiten der Liederzyklen und Kontexte zu anderen Werken Schuberts?
Diese und andere Fragen wollen wir gemeinsam diskutieren. Ausgehend von einer gründlichen Beschäftigung mit den Textvorlagen sollen die Lieder in verschiedenen Ebenen sukzessive erschlossen werden. Auf dieser Grundlage erarbeiten wir uns die vielschichtigen Interpretationsangebote der 3 Liederzyklen und verbindende sowie weiterführende Fragestellungen.