Familie ist ein wichtiger Bestandteil, wenn nicht seit dem 19. Jahrhundert gar Mittelpunkt jüdischer Lebenswelten. Die Vorlesung fragt nach den Konzepten, die dieses Bild im deutschsprachigen Raum von der zweiten Hälfte des 18. bis in das 20. Jahrhundert hinein prägten. Zugleich möchte sie die großen Debatten und Konfliktlinien, die die jüdische Bevölkerung bewegten – die staatlicherseits an Vorbedingungen geknüpfte rechtliche Gleichstellung, die bürgerliche Integration, der Umgang mit Ausgrenzung und Antisemitismus, der Konflikt zwischen religiöser Reformbewegung und Orthodoxie, die Stellung der Frau oder die Frage nach der „richtigen“ Hilfe für bedürftige Glaubensgenossen – am Beispiel einzelner Familien aufzeigen. Die Biographien der Mendelssohns, Rothschilds oder Feuchtwangers verweisen aber auch auf die Dominanz des städtischen (Groß-)bürgertums im kulturellen Gedächtnis, für das klein- oder unterbürgerliche Kreise noch immer eine nachrangige Rolle spielen.